#2060

UMBAU MFH OETLINGERSTRASSE 2 IN BASEL

Das ehemalige Apartmenthaus an der Oetlingerstrasse 2 in Basel, direkt am Rhein gelegen, wurde 1968 für die Mitarbeiter eines Basler Pharmakonzerns errichtet. Die damalige Bebauung auf der atypischen Eckparzelle entspricht nicht mehr den aktuellen baurechtlichen Vorgaben, weshalb eine umfassende Sanierung und der Umbau ökonomisch sinnvoll sind.

 

Die bestehende, kammerartige Struktur wurde durch gezielte Eingriffe in moderne, zeitgemässe Wohnungsgrundrisse umgewandelt. Das neu geplante Nutzungskonzept umfasst eine Mischung aus Studiowohnungen sowie 3 ½- und 4 ½-Zimmer-Wohnungen, welche den Bedürfnissen des Quartiers gerecht werden. Ergänzt wird das Angebot durch Gewerberäume im Erdgeschoss sowie zwei exklusive, grosszügige Maisonette-Wohnungen in den Dachgeschossen, die mit einer Dachterrasse und Rheinsicht aufwarten. Die Wohnfläche des Gebäudes wird durch zwei neue Aufbauten auf dem bestehenden Flachdach, die so ein zusätzliches zweites Dachgeschoss schaffen, vergrössert.

 

Die Form der polygonalen Aufbauten resultiert im Wesentlichen aus einer optimierten Umsetzung verschiedener gesetzlicher Vorgaben zu Brandschutz, Lichteinfall, Dachform und Gebäudehöhe. Statt des klassischen Prinzips „form follows function“ folgt die Gestaltung nun dem Prinzip „form follows law“. Die Aufbauten werden in Holzelement-Bauweise vorgefertigt und in kürzester Zeit aufgerichtet. Sie sind anschliessend monolithisch mit flächenintegrierten photovoltaischen Paneelen verkleidet, die sowohl das Dach als auch die Fassade bekleiden. So entstehen auf dem Dach zwei schwarze Kristalle, die als kleine Kraftwerke fungieren.

 

Auf der Südseite des Gebäudes wurde die Öffnung der Brandmauer in einem komplexen Prozess ermöglicht. Dort entstehen elf Bullaugen, die Licht und Frischluft in den bisher geschlossenen, südlichen Teil des Gebäudes bringen. Zudem werden drei neue Loggien in die Brandmauer eingeschnitten, die den Wohnungen einen geschützten Aussenraum bieten und gleichzeitig die Aussicht in den südlichen Innenhof im Blockrand eröffnen.

 

Das Umbaukonzept verfolgt den Ansatz, bestehende Materialien aus ökonomischen und ökologischen Gründen weiterzuverwenden, während notwendige Bauteile neu erstellt werden. Was ursprünglich als ökologischer Grundgedanke formuliert wurde, wird nun zum Gestaltungsprinzip. Die Schnittstellen zwischen den alten bestehenden Bauteilen zu den neu geschaffenen sind klar und charaktervoll herausgearbeitet. Diese Übergänge zwischen Alt und Neu erzählen Geschichten über das Gebäudes – etwa durch unerwartete Materialwechsel oder Nischen, die an früher vorhandenen Wänden oder Fenster erinnern.

 

Die Qualität des Umbaus liegt nicht in der Gesamtwirkung des zurückhaltenden Baus, sondern in der spürbaren Geschichte, die an unzähligen Orten im Gebäude erlebbar wird. Das Gebäude wurde gedanklich in seine Einzelteile zerlegt – von der Fassade über das Dach, die Erschliessung bis hin zu den einzelnen Wohnungen und Dachaufbauten – um einerseits flexibel auf die neuen Gegebenheiten und Abhängigkeiten reagieren zu können und andrerseits ein schlüssiges architektonisches Konzept zu verwirklichen.

 

Fotografie: Nic Hahne

    #2060

    UMBAU MFH OETLINGERSTRASSE 2 IN BASEL

    Das ehemalige Apartmenthaus an der Oetlingerstrasse 2 in Basel, direkt am Rhein gelegen, wurde 1968 für die Mitarbeiter eines Basler Pharmakonzerns errichtet. Die damalige Bebauung auf der atypischen Eckparzelle entspricht nicht mehr den aktuellen baurechtlichen Vorgaben, weshalb eine umfassende Sanierung und der Umbau ökonomisch sinnvoll sind.

     

    Die bestehende, kammerartige Struktur wurde durch gezielte Eingriffe in moderne, zeitgemässe Wohnungsgrundrisse umgewandelt. Das neu geplante Nutzungskonzept umfasst eine Mischung aus Studiowohnungen sowie 3 ½- und 4 ½-Zimmer-Wohnungen, welche den Bedürfnissen des Quartiers gerecht werden. Ergänzt wird das Angebot durch Gewerberäume im Erdgeschoss sowie zwei exklusive, grosszügige Maisonette-Wohnungen in den Dachgeschossen, die mit einer Dachterrasse und Rheinsicht aufwarten. Die Wohnfläche des Gebäudes wird durch zwei neue Aufbauten auf dem bestehenden Flachdach, die so ein zusätzliches zweites Dachgeschoss schaffen, vergrössert.

     

    Die Form der polygonalen Aufbauten resultiert im Wesentlichen aus einer optimierten Umsetzung verschiedener gesetzlicher Vorgaben zu Brandschutz, Lichteinfall, Dachform und Gebäudehöhe. Statt des klassischen Prinzips „form follows function“ folgt die Gestaltung nun dem Prinzip „form follows law“. Die Aufbauten werden in Holzelement-Bauweise vorgefertigt und in kürzester Zeit aufgerichtet. Sie sind anschliessend monolithisch mit flächenintegrierten photovoltaischen Paneelen verkleidet, die sowohl das Dach als auch die Fassade bekleiden. So entstehen auf dem Dach zwei schwarze Kristalle, die als kleine Kraftwerke fungieren.

     

    Auf der Südseite des Gebäudes wurde die Öffnung der Brandmauer in einem komplexen Prozess ermöglicht. Dort entstehen elf Bullaugen, die Licht und Frischluft in den bisher geschlossenen, südlichen Teil des Gebäudes bringen. Zudem werden drei neue Loggien in die Brandmauer eingeschnitten, die den Wohnungen einen geschützten Aussenraum bieten und gleichzeitig die Aussicht in den südlichen Innenhof im Blockrand eröffnen.

     

    Das Umbaukonzept verfolgt den Ansatz, bestehende Materialien aus ökonomischen und ökologischen Gründen weiterzuverwenden, während notwendige Bauteile neu erstellt werden. Was ursprünglich als ökologischer Grundgedanke formuliert wurde, wird nun zum Gestaltungsprinzip. Die Schnittstellen zwischen den alten bestehenden Bauteilen zu den neu geschaffenen sind klar und charaktervoll herausgearbeitet. Diese Übergänge zwischen Alt und Neu erzählen Geschichten über das Gebäudes – etwa durch unerwartete Materialwechsel oder Nischen, die an früher vorhandenen Wänden oder Fenster erinnern.

     

    Die Qualität des Umbaus liegt nicht in der Gesamtwirkung des zurückhaltenden Baus, sondern in der spürbaren Geschichte, die an unzähligen Orten im Gebäude erlebbar wird. Das Gebäude wurde gedanklich in seine Einzelteile zerlegt – von der Fassade über das Dach, die Erschliessung bis hin zu den einzelnen Wohnungen und Dachaufbauten – um einerseits flexibel auf die neuen Gegebenheiten und Abhängigkeiten reagieren zu können und andrerseits ein schlüssiges architektonisches Konzept zu verwirklichen.

     

    Fotografie: Nic Hahne